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Anschlussfinanzierung clever gestalten: So sparen Sie Tausende Euro

MMarkus Dreiberg 6 min Lesezeit

Anschlussfinanzierung clever gestalten: So sparen Sie Tausende Euro

Die Anschlussfinanzierung entscheidet darüber, zu welchen Konditionen Sie Ihre Restschuld weiterführen – und viele Eigentümer verschenken dabei bares Geld. Ob Prolongation, Umschuldung der Baufinanzierung oder Forward-Darlehen: Wer die Optionen kennt und rechtzeitig handelt, kann Tausende Euro sparen.

Wer eine Immobilie finanziert, denkt zunächst vor allem an den Kaufpreis, die monatliche Rate und die Zinsbindung. Doch spätestens wenn das Ende der Zinsbindungsfrist näher rückt, stellt sich eine mindestens genauso wichtige Frage: Wie geht es mit der Finanzierung weiter? Die Anschlussfinanzierung entscheidet darüber, zu welchen Konditionen Sie die verbleibende Restschuld weiter tilgen – und dieser Entscheidung unterschätzen viele Eigentümer massiv.

Wer sich zu spät kümmert, zu wenig vergleicht oder blind die Verlängerung bei der Hausbank unterzeichnet, zahlt unter Umständen mehrere Tausend Euro mehr als nötig. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung und etwas Vorlauf lässt sich dieser Kostenpunkt erheblich drücken – ohne großen Aufwand.

Was ist eine Anschlussfinanzierung und wann wird sie nötig?

Eine Anschlussfinanzierung ist die Weiterführung eines Immobilienkredits nach Ablauf der vereinbarten Zinsbindungsfrist. Die meisten Baufinanzierungen tilgen die Restschuld nicht vollständig innerhalb der ersten Zinsbindung – üblich sind Laufzeiten von 10, 15 oder 20 Jahren. Am Ende dieser Phase steht in der Regel noch ein erheblicher Schuldenrest, der neu finanziert werden muss. Mehr zu den Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Laufzeiten erfahren Sie in unserem Artikel Zinsbindung beim Immobilienkredit: 10, 15 oder 20 Jahre?.

Grundsätzlich stehen Ihnen dabei zwei Wege offen: Die Prolongation bedeutet, dass Sie den Kredit bei Ihrer bisherigen Bank zu neuen Konditionen verlängern. Die Umschuldung hingegen bezeichnet den Wechsel zu einem anderen Kreditinstitut, das Ihnen bessere Zinsen oder Konditionen bietet. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile – entscheidend ist, welche Option in Ihrer konkreten Situation die günstigere ist.

Unterschätzen Sie dabei nicht den zeitlichen Vorlauf. Experten empfehlen, sich spätestens zwölf Monate vor Ablauf der Zinsbindung mit dem Thema zu befassen. Bei besonders langen Restlaufzeiten kann es sogar sinnvoll sein, ein Forward-Darlehen abzuschließen – also die aktuellen Zinsen schon heute für einen späteren Zeitpunkt zu sichern.

Prolongation oder Umschuldung: Was lohnt sich mehr?

Die Prolongation klingt verlockend unkompliziert: Die Bank schickt ein Angebot, man unterschreibt, fertig. Doch genau diese Bequemlichkeit kostet Geld. Banken wissen, dass viele Kunden den Aufwand scheuen und verlängern deshalb oft zu Konditionen, die deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen. Ein Zinsunterschied von nur 0,3 Prozentpunkten bei einer Restschuld von 200.000 Euro bedeutet über zehn Jahre rund 3.000 Euro Mehrkosten – und das ist noch ein konservatives Beispiel.

Die Umschuldung der Baufinanzierung zu einem neuen Anbieter ist zwar mit etwas mehr Papierkram verbunden, kann sich aber erheblich lohnen. Notarkosten fallen beim Wechsel in der Regel nicht an, da die bestehende Grundschuld einfach auf das neue Institut abgetreten wird – die Kosten dafür belaufen sich meist auf wenige Hundert Euro. Verglichen mit dem Zinsvorteil über mehrere Jahre ist das oft ein sehr gutes Geschäft.

Fazit aus der Praxis: Wer bei der Anschlussfinanzierung nur ein einziges Angebot – nämlich das der Hausbank – prüft, verschenkt fast immer Geld. Mindestens drei bis vier Vergleichsangebote sollten es sein, bevor eine Entscheidung fällt.

Es gibt allerdings Situationen, in denen die Prolongation die vernünftigere Wahl ist: wenn die Hausbank tatsächlich das beste Angebot macht, wenn die Bonitätssituation sich verschlechtert hat oder wenn eine umfangreiche Umstrukturierung des Kredits gewünscht wird, bei der die langjährige Beziehung zur Bank hilfreich sein kann.

Das Forward-Darlehen: Zinssicherung auf Vorrat

Ein Forward-Darlehen ermöglicht es Ihnen, aktuelle Zinssätze bereits bis zu fünf Jahre vor dem tatsächlichen Ablauf Ihrer Zinsbindung festzuschreiben. Das klingt verlockend – vor allem in Phasen, in denen die Zinsen niedrig sind oder ein Anstieg erwartet wird. Für diese Zinssicherheit zahlen Kreditnehmer einen sogenannten Forward-Aufschlag, der je nach Vorlaufzeit zwischen 0,01 und 0,03 Prozentpunkten pro Monat liegt.

Ein Rechenbeispiel: Bei einem Forward-Darlehen mit 24 Monaten Vorlauf und einem monatlichen Aufschlag von 0,02 Prozentpunkten ergibt sich ein Zinsaufschlag von 0,48 Prozentpunkten. Steigen die Zinsen in dieser Zeit um mehr als 0,48 Prozentpunkte, hat sich die Absicherung gelohnt. Bleibt das Zinsniveau stabil oder sinkt es, wäre man ohne Forward-Darlehen günstiger gefahren.

Wichtig zu wissen: Ein Forward-Darlehen ist bindend. Wer es abschließt, muss es auch abnehmen – auch wenn die Zinsen bis dahin gesunken sind. Die Entscheidung sollte deshalb wohlüberlegt und auf Basis einer realistischen Zinsprognose getroffen werden. Unabhängige Finanzberater oder Vergleichsportale können hier eine wertvolle Orientierung bieten.

Schritt für Schritt zur optimalen Anschlussfinanzierung

Eine gut vorbereitete Anschlussfinanzierung folgt einem klaren Ablauf. Wer die einzelnen Schritte strukturiert angeht, spart nicht nur Geld, sondern auch Stress. Die folgende Schritt-für-Schritt-Liste gibt Ihnen einen praxistauglichen Fahrplan:

  1. Zinsbindungsende prüfen: Schauen Sie in Ihren Kreditvertrag und notieren Sie das genaue Datum. Setzen Sie sich eine Erinnerung für zwölf Monate vorher.
  2. Restschuld ermitteln: Fordern Sie von Ihrer Bank eine aktuelle Tilgungsübersicht an. Die genaue Restschuld ist die Basis für jeden Vergleich.
  3. Marktlage beobachten: Verfolgen Sie die Zinsentwicklung über einige Wochen. Fachportale und Vergleichsrechner helfen dabei.
  4. Angebote einholen: Kontaktieren Sie nicht nur Ihre Hausbank, sondern auch mindestens zwei bis drei weitere Kreditinstitute oder nutzen Sie einen unabhängigen Finanzierungsvermittler.
  5. Konditionen vergleichen: Achten Sie nicht nur auf den Zinssatz, sondern auch auf Sondertilgungsrechte, Tilgungsflexibilität und mögliche Gebühren.
  6. Verhandeln: Nutzen Sie günstige Konkurrenzangebote als Verhandlungsbasis gegenüber Ihrer Hausbank. Oft ist dort noch Spielraum vorhanden.
  7. Entscheidung treffen und rechtzeitig unterzeichnen: Planen Sie genug Zeit ein, um Verträge in Ruhe zu prüfen – idealerweise mit rechtlichem oder fachlichem Beistand.

Ein oft vernachlässigter Aspekt: Nutzen Sie die Anschlussfinanzierung auch als Gelegenheit, die Tilgungsrate anzupassen. Wenn sich Ihr Einkommen verbessert hat, können Sie die monatliche Rate erhöhen und die Restlaufzeit deutlich verkürzen. Umgekehrt können Sie bei finanziellen Engpässen die Rate vorübergehend senken – wenn die neue Vereinbarung das erlaubt.

Typische Fehler bei der Anschlussfinanzierung – und wie Sie sie vermeiden

Selbst finanziell versierte Eigentümer machen beim Thema Prolongation Immobilienkredit vermeidbare Fehler. Wer sie kennt, ist klar im Vorteil:

  • Zu spätes Handeln: Wer erst wenige Wochen vor Ablauf der Zinsbindung aktiv wird, hat kaum Verhandlungsmacht und muss nehmen, was die Bank anbietet.
  • Nur ein Angebot prüfen: Das Angebot der Hausbank ist selten das beste. Ohne Vergleich fehlt die Grundlage für eine informierte Entscheidung.
  • Zinssatz als einziges Kriterium: Sondertilgungsoptionen, Tilgungssatzwechsel und weitere Flexibilitäten haben einen realen Wert, den man beim Vergleich einrechnen sollte.
  • Eigenkapitalveränderung ignorieren: Hat sich der Wert der Immobilie erhöht oder haben Sie zusätzliches Eigenkapital aufgebaut, verbessert sich Ihre Verhandlungsposition erheblich. Wie viel Eigenkapital grundsätzlich sinnvoll ist, erklärt unser Beitrag Wie viel Eigenkapital brauchen Sie beim Immobilienkauf?.
  • Forward-Darlehen ohne Kalkulation abschließen: Ein Forward-Darlehen bindet – wer es ohne genaue Zahlen abschließt, riskiert, am Ende draufzuzahlen.
  • Nebenkosten beim Wechsel unterschätzen: Grundschuldabtretung, eventuell Notar und Verwaltungsgebühren sollten in die Gesamtrechnung einfließen.

Besonders gravierend ist der erste Fehler. Wer zu spät beginnt, verliert nicht nur Geld – er verliert auch Zeit und den Verhandlungsspielraum, der entscheidend sein kann. Mit einem frühzeitigen Start hingegen haben Sie alle Optionen offen: Prolongation, Umschuldung oder Forward-Darlehen.

Wie viel lässt sich wirklich sparen?

Konkrete Zahlen helfen mehr als abstrakte Versprechen. Nehmen wir ein realistisches Beispiel: Eine Familie hat vor zehn Jahren einen Baukredit über 300.000 Euro aufgenommen. Die Restschuld beträgt jetzt 180.000 Euro. Die Hausbank bietet eine Prolongation zu 4,1 Prozent Zinsen an. Ein Vergleichsangebot liegt bei 3,7 Prozent. Bei einer neuen Zinsbindung von zehn Jahren und gleichbleibender Tilgung ergibt dieser Unterschied von 0,4 Prozentpunkten eine Ersparnis von rund 7.200 Euro – und das nur durch einen einzigen Anbieterwechsel.

Hinzu kommt der Effekt von Sondertilgungen: Wer jährlich fünf Prozent der Restschuld extra tilgt, kann die Laufzeit erheblich verkürzen und damit die Zinsbelastung insgesamt senken. Bei 180.000 Euro Restschuld bedeutet das bis zu 9.000 Euro pro Jahr an möglicher Sondertilgung – eine Option, die nicht jeder Kreditvertrag standardmäßig enthält, weshalb sie beim Neuabschluss explizit verhandelt werden sollte.

Der Gesamteffekt aus besserem Zinssatz, optimierter Tilgung und genutzten Sondertilgungsrechten kann bei einer typischen Anschlussfinanzierung gut und gerne 10.000 bis 15.000 Euro ausmachen. Das ist kein Versprechen, sondern ein realistisches Einsparpotenzial – das aber nur dann ausgeschöpft wird, wenn man aktiv handelt statt passiv abzuwarten.

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Häufige Fragen

Idealerweise beginnen Sie spätestens zwölf Monate vor Ablauf Ihrer Zinsbindungsfrist mit dem Vergleich von Angeboten. Bei einem Forward-Darlehen können Sie sogar bis zu fünf Jahre im Voraus aktiv werden. Je früher Sie starten, desto mehr Verhandlungsspielraum haben Sie.

Der Bankwechsel erfordert eine Grundschuldabtretung, die in der Regel zwischen 150 und 300 Euro kostet. Ein Notar ist dabei meist nicht erforderlich. Verglichen mit dem möglichen Zinsvorteil über mehrere Jahre fallen diese Kosten kaum ins Gewicht.

Bei der Prolongation verlängern Sie Ihren Immobilienkredit zu neuen Konditionen bei Ihrer bisherigen Bank. Die Umschuldung bedeutet den Wechsel zu einem anderen Kreditinstitut. Letzteres ist aufwändiger, kann aber deutlich günstiger sein – weshalb ein Vergleich in jedem Fall lohnt.

Ein Forward-Darlehen lohnt sich, wenn die Zinsen bis zum Ende Ihrer Zinsbindung voraussichtlich steigen werden. Für die Zinssicherung zahlen Sie einen monatlichen Aufschlag. Bleiben die Zinsen stabil oder sinken sie, war das Forward-Darlehen teurer als eine reguläre Anschlussfinanzierung. Eine sorgfältige Kalkulation ist deshalb unerlässlich.

Ja, der Neuabschluss einer Anschlussfinanzierung bietet die ideale Gelegenheit, die monatliche Tilgungsrate anzupassen. Sie können die Rate erhöhen, um schneller schuldenfrei zu sein, oder bei Bedarf senken. Auch Sondertilgungsrechte sollten Sie bei dieser Gelegenheit gezielt verhandeln.

Läuft die Zinsbindung ohne neue Vereinbarung aus, wandelt sich der Kredit in ein variables Darlehen um. Sie können dann zwar mit dreimonatiger Frist kündigen, zahlen aber bis dahin den aktuellen variablen Zinssatz, der oft ungünstiger ist. Zudem entsteht unnötiger Zeitdruck bei der Suche nach einer neuen Lösung.

Für eine Umschuldung benötigen Sie in der Regel aktuelle Einkommensnachweise, den bestehenden Kreditvertrag, einen aktuellen Grundbuchauszug sowie eine Übersicht zur aktuellen Restschuld. Manche Banken fordern zudem einen Nachweis über den aktuellen Immobilienwert. Die genauen Anforderungen können je nach Anbieter variieren.